Juni 9, 2017

Sternchen will leuchten

2016-10-05-19-40-17Dass ich nicht „nur“ Romane schreibe, habe ich bereits mehrfach erwähnt. Ich stehe bei mehreren pädagogischen Fachverlagen unter Vertrag, denen ich hin und wieder auch eine meiner kurzen Kindergeschichten zur Verfügung stelle bzw. denen ich pädagogische Projekte rund um eine meiner Geschichten erarbeite. So war es auch mit der Geschichte „Sternchen will leuchten“, die im März veröffentlicht wurde.

Heute nun habe ich diese Rückmeldung erhalten, über die ich mich riesig freue!

Bei der Geschichte waren einige Kinder, die von ihren Nachtängsten erzählten. Unglaublich wie das Feedback nach der ersten Nacht war! „Ihr“ Sternchen auf der Spirale hatte sie beschützt. Ein Kind erzählte: Ich habe mit meinem Sternchen so gut geschlafen, ich hab gar keine Angst gehabt!

Da mich diese Rückmeldung so besonders freut, denn auch ich mag „Sternchen“ wirklich sehr, stelle ich Euch allen die Geschichte hier zur Verfügung. Lest sie Euren Kindern vor oder gönnt sie Euch selbst. Wie ihr mögt.

Ich verabschiede mich nun in ein spannendes Lesewochenende, bei dem wieder das „Heidelbeerkind“ im Vordergrund steht. Aber viele Projekte laufen bereits im Hintergrund auf Hochtouren und sehr bald kann ich Euch Näheres dazu berichten. Heute jedoch beginnt das Wochenende mit „Sternchen will leuchten“.

Sternchen hing wieder einmal hinter den großen Sternen am Himmel und leuchtete nicht. Der große Stern kam näher und fragte: „Was ist mit dir? Wo ist dein Licht?“

„Ach, ihr braucht doch nicht mein kleines Lichtchen. Das sieht doch eh niemand“, flüsterte Sternchen.

„Na, du hast Vorstellungen. Natürlich wird jedes Licht gebraucht. Die großen und die kleinen Lichter sind wichtig.“ Sternchen schüttelte traurig den Kopf. „Das glaube ich nicht. Wenn ich mir anschaue, wie hell du strahlst, da merkt doch gar niemand, wenn mein Licht nicht zu sehen ist.“

„Du denkst also wirklich, dass niemand dich braucht.“

„Ja.“ Kleine Glitzertränchen stiegen Sternchen in die Augen.

„Ich werde dir beweisen, dass jemand dich braucht. Komm mit.“ Ohne eine Antwort von Sternchen abzuwarten, hielt der große Stern es an seinen Zacken fest und flog mit ihm Richtung Erde. „Da unten denken sie jetzt, ich sei eine Sternschnuppe.“

Sternchen traute sich kaum aufzusehen und schmiegte sich ganz eng an den Großen. Plötzlich hielt der große Stern an. „Schau mal, siehst du das Fenster an dem Haus dort drüben?“ Langsam drehte Sternchen sich um. Hinter dem Fenster war es dunkel, aber da stand ein kleines Mädchen an der Scheibe. „Was ist mit ihr?“

„Sie hat Angst. Sie fürchtet sich vor der Dunkelheit.“ Der große Stern strich dem kleinen über die Zackenspitze. „Ihr Name ist Lina. Sie braucht dich.“

„Mich?“ Sternchen sah den Großen erstaunt an.

„Ja, dein Licht kann ihr helfen, keine Angst mehr zu haben.“

„Dann gehe ich mal zu ihr.“ Sternchen flog los. Da es nicht leuchtete, sah Lina es nicht kommen. Es stoppte auf dem Fenstersims und klopfte mit seiner Zackenspitze vorsichtig an die Scheibe. Lina schreckte zurück. Mit weit aufgerissenen Augen, sah sie das Sternchen an. Sternchen bemühte sich, sein kleines Lichtchen so hell es ging leuchten zu lassen. Als Lina das Leuchten entdeckte, leuchteten auch ihre Augen. Auf einmal sah sie gar nicht mehr ängstlich aus. Sie öffnete das Fenster und Sternchen schlüpft hinein.

„Wer bist du denn?“, fragt Lina und hält die Hand auf. Sternchen hüpft auf Linas Hand. „Mein großer Freund hat mir erzählt, dass du dich fürchtest in der Dunkelheit.“ Es deutet nach draußen, wo der große Stern vom Baum aus winkt. Lina nickt. „Wenn es dunkel ist und ich nichts sehen kann, denke ich immer, da kommen wilde Tiere oder Einbrecher zu mir.“ Sternchen strengt sich noch ein wenig mehr an und sein Licht wird tatsächlich noch etwas heller. „Wenn du magst, bleibe ich bei dir. Dann ist es nicht mehr dunkel in deinem Zimmer.“

„Das würdest du machen? Aber dann fehlst du doch am Himmel.“

„Am Himmel sind sie doch so viele. Da macht es nichts, wenn ich bei dir bleibe, bis du keine Angst mehr hast.“

„Ehrlich?“ Lina hüpfte wie ein Gummiball durch ihr Zimmer und Sternchen Angst, gleich von ihrer Hand zu purzeln. Dann setzte sie sich auf ihr Bett und ließ Sternchen von ihrer Hand auf den Nachttisch steigen.

Seit diesem Tag besucht Sternchen immer wieder Kinder, die Angst in der Dunkelheit haben, damit sie gut schlafen können. Unterwegs begegnet es ab und zu dem großen Stern und jedesmal, wenn sie sich treffen, sagt Sternchen: „Ich bin so froh, dass ich gebraucht werde.“

 (C) Marion Bischoff, 2017

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