Heidelbeerkind - Cover

Sie rupfte sich einen neuen, legte ihn zwischen ihre Daumen und pfiff. Begeistert strahlte Hans sie an. »Ich will das auch können.«

»Du musst immer wieder üben. Dann klappt es irgendwann.«

»Versprochen?«

Elise umarmte ihn. »Ja, versprochen.«

Der Kleine zupfte den nächsten Grashalm. Ihr Blick wanderte vorbei an dem hochaufragenden Kirchturm, den sie von der Wiese aus sehen konnte. Die schwarzen Krähenvögel kreisten um die Spitze, als kündeten sie den nächsten Toten an. Draußen vor dem Ort lagen die Felder der örtlichen Bauern in der prallen Sonne. Nur wenige Äcker waren bestellt. Viele Frauen schafften die Arbeit nicht ohne ihre Männer. Aber die traben waffenbeladen durch fremde Länder, dachte Elise. Trotz der trüben Gedanken fühlte sie sich hier auch geborgen. Zwischen Bäumen und Feldern in ihrem kleinen Dorf im Pfälzerwald. (Auszug aus Heidelbeerkind)

Clausen, ein kleines Dorf im Pfälzerwald im August 1944:

Elise liebt es, die morgendliche Ruhe der Natur auf sich wirken zu lassen. Sie pflückt Heidelbeeren, als sie plötzlich dieses Ächzen hört. Ängstlich und neugierig zugleich sieht sie sich um. Zwischen den Hecken liegt ein verwundeter Soldat. Die Panik ist ihm anzusehen. Obwohl Elise weiß, dass auf die Hilfe für Fahnenflüchtige Zuchthaus steht, versteckt und versorgt sie den Fremden in der Waldhütte ihres Vaters. Doch Nazis lauern überall …

Obwohl viele Menschen die Ausmaße des Hitlerregimes gar nicht erfassen konnten, gab es unter ihnen diejenigen, die sich auflehnten und nicht dem verbreiteten Stimmungsbild folgten. Einer dieser Menschen war Elise.

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Sie möchten das HEIDELBEERKIND lesen? Sie wollen sich begeistern lassen, von Elise, wollen miterleben, wie die junge Frau ihren Weg geht? Sie möchten die Emotionen spüren, die die Menschen damals bewegten?

Preis: 12.-€

268 Seiten

ziegenstall

»Du warst in der Nacht bei ihm?«

»Ja.«

Ungläubig sah er sie an. »Kind, was machst du nur?«

»Bitte, Großvater.«

»Sein Körper muss gekühlt werden.«

»Aber das habe ich doch gemacht. Ich habe ihn zur Quelle gebracht und dort ins Wasser gelegt. Die halbe Nacht.«

»Meine Güte, Mädchen …«

»Ich kann ihn doch nicht sterben lassen.« Verzweifelt schüttelte Elise den Kopf.

»Wenn er es von der Hütte zur Quelle geschafft hat, dann wird das schon wieder.«

Elise starrte ihn an. »Ich … ich habe ihn dorthin geschleift. Er ist bewusstlos!«

»Oh, mein Gott.«

(Auszug aus Heidelbeerkind)